Patrik Ringborg, Dirigent

So schrieb die Presse über Strauss' "Der Rosenkavalier" an der Oper Köln, April 2010:

Die Parallelität der Situation ist unübersehbar. Auf der einen Seite die Marschallin, die im Überschwang des nächtlichen Liebesabenteuers mit Octavian bei Wahrnehmung ihres eigenen Alters in einem plötzlichen Gefühlsumschwung die Zeit als ein "sonderbar Ding" reflektiert: "Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie."
Auf der anderen Seite die Interpretin der Marschallin, die neuseeländische Star-Sopranistin Dame Kiri Te Kanawa. Als Tochter eines Maori-Vaters und einer irischen Mutter führte eine großartige Opernkarriere sie schnell ganz weit nach oben auf die großen Opernbühnen der Welt. Mehrere Jahrzehnte lang arbeitete sie dort zusammen mit den besten Orchestern und Dirigenten - ein Werdegang, der sich unter künstlerischem Gesichtspunkt wohl kaum noch steigern lässt.
Nun aber werden Vermutungen laut, die Künstlerin habe ihre drei Bühnenauftritte in der Kölner Oper bewusst gewählt, um sich aus der internationalen Opernwelt musikalisch zu verabschieden. Ein Entschluss, der bei ihrer geradezu liebevollen Verbundenheit mit dem Kölner Opernpublikum über die Jahre hinweg auch sofort einleuchtet. Und doch ist es vorerst nur eine Pressemitteilung, die von der Sängerin nicht bestätigt wird. Was sollte es - ähnlich wie bei der Marschallin - schon schaden, sich für alle Fälle ein Hintertürchen offen zu halten?
So endet die erste der beiden Kölner "Rosenkavalier"-Aufführungen in einem wahren Triumph. Fast so, als wollten ihre Verehrerinnen und Verehrer mit ihren anhaltenden Beifallskundgebungen sie nicht allein für ihre einfühlsame sängerische Leistung sowie ihre geradezu unglaubliche Bühnenpräsenz belohnen. Hier legt sich vielmehr der Eindruck nahe, als fordere man sie indirekt auf, allen Gerüchten um ein baldiges Ende ihrer Karriere doch energisch entgegen zu treten. ...

Der Dank des Publikums gilt natürlich auch dem Gürzenich-Orchester Köln und seinem Gastdirigenten, dem Schweden Patrik Ringborg. Als Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel gab er mit diesem "Rosenkavalier" sein Hausdebüt an der Oper Köln. Mit starker Präsenz und musikalischem Feingefühl empfahl sich der noch sehr junge Dirigent nicht nur als Strauß-Interpret, sondern auch für weitere Einladungen des Hauses.
Insgesamt eine "runde" Inszenierung von Günter Krämer, dem langjährigen Generalintendanten der Kölner Bühnen und dazu ein Opernabend, der nicht nur Maßstäbe setzte, sondern auch der Dame Kiri Te Kanawa den Rückzug von der Opernbühne - wenn er denn kommen sollte - zweifellos erleichtert haben dürfte.

(Epoch Times, 07.04.2010)
(Hardtbert Bote, 07.04.2010)

Im Mittelpunkt des "Rosenkavaliers" am Karsamstag stand (und steht nochmals am 17. April) die neuseeländische Sopranistin Kiri Te Kanawa. Sie ist eine Lady vom Kopf bis zu den Zehenspitzen, und ihre blendende Erscheinung lässt an die Tage einer Lisa della Casa zurückdenken. ...
Bei der von Patrik Ringborg stürmisch, aber auch sehr feinfühlig dirigierten Aufführung nahmen sich die anderen weiblichen Protagonisten gleichfalls hervorragend aus (Claudia Mahnke/Octavian, Jutta Böhnert/Sophie). Einen sensationell guten Ochs gab Bjarni Thor Kristinsson.

(General-Anzeiger Bonn, 06.04.2010)

Das Gürzenich-Orchester Köln ist vielleicht nicht ein Weltorchester ... aber Dirigent Patrik Ringborg brachte es dazu, eine sehr klare und perfekt balancierte Aufführung zu präsentieren, bei der die strukturelle Transparenz in der Tat war bewundernswert.
(I Hear Voices, 04.04.2010)

Mit einem wahrhaft würdigen und auch denkwürdigen Opernabend verabschiedete sich Dame Kiri Te Kanava von ihrer großen Bühnenkarriere. Sie sang zum letzten Mal die "Marschallin" im "Rosenkavalier", eine der Rollen, mit der sie der Opernwelt und besonders auch ihren Kölner Fans wahrscheinlich am eindrucksvollsten in Erinnerung bleiben wird. Einen passenderen Anlass als die Kölner Inszenierung hätte sie zur Zeit wohl auch kaum finden können, denn der Abend gestaltete sich zu einem absoluten Höhepunkt der Opernsaison.

Die gesamte Besetzung (Claudia Mahnke, Bjarni Thor Kristinsson, Machiko Obata, Ulrich Hielscher u.a.), stimmlich wie darstellerisch, Orchester (Leitung: Patrik Ringborg) und Bühnenbild (Günter Krämer) hätten gelungener nicht sein können. Harmonie in ihrer Höchstform, gekrönt von einer hinreißenden, eleganten und wunderschönen "Marschallin" in zauberhafter Robe (Falk Bauer), die alle mit ihrer Ausstrahlung und Stimme betörte. Nicht umsonst gab es am Ende an die 20 Minuten lang stehende Ovationen mit unzähligen Vorhängen des vollen Hauses, untermalt von lauten und einstimmigen Begeisterungsrufen.

Das Publikum war zum Teil von weither angereist. Ein Kenner und Opernliebhaber war auf der Durchreise nach Mailand zu Placido Domingo an der Scala am Folgetag, und wegen der Aschewolke musste er direkt nach dem Schluß des "Rosenkavaliers" zum Bahnhof eilen, um seinen Zug noch zu erreichen, ohne den Beifall noch miterleben zu können. Ansonsten hätte er, wie ursprünglich geplant, in der Frühe den Flieger genommen. Zum Glück war keiner der Sänger davon betroffen, hatte doch schon am Nachmittag die Verleihung des Opernpreises wegen des Vulkanausbruchs, bzw. des daraus resultierenden Flugverbots ausfallen müssen.
Kurzum: Eine unvergessliche Aufführung auf höchstem Niveau, wie zu den Glanzzeiten der Kölner Oper.

Eine Sternstunde im Kölner Opernhaus

Die Inszenierung von GÜNTER KRÄMER stört nicht, stellt die Handlung in abstrakte, ästhetische Bilder, greift aber nicht psychologisch ein und entbehrt so vieler Nuancen. Den Sängern ist es weitgehend selbst überlassen, daraus etwas zu machen.

Und so hatte man Glück, gleich eine Phalanx von erstklassigen Rolleninterpreten erleben zu können.
Das Augenmerk war sehr auf Dame KIRI TE KANAWA gerichtet, die vor Zeiten im Kölner Ensemble war, und nun nach ihrer unvergleichlich internationalen Karriere ihren sängerischen Abend wieder dort feiert. Mit Stilgefühl und kluger Einteilung gelingen ihr vor allem die Piani berückend, und auch sonst strahlt sie delikate Grazie und Verletzlichkeit aus. Der eigentliche Star des Abends aber war CLAUDIA MAHNKE als Oktavian. Ihr Timbre ist so reichhaltig, ihre Phrasierung exorbitant und ihr Spiel natürlich und dennoch konturiert. Als hätte Strauss für sie geschrieben, schöpft sie alle Farben dieser Paraderolle aus. JUTTA BÖHNERT als dritte im Frauenbund, als Sophie hat es da schwerer. Zwar singt sie sehr kontrolliert und auch mit feiner Führung, dennoch fehlt ihr das frei Schwebende. Eher bescheiden, unscheinbar legt sie ihre Rolle an. Das Terzett am Schluss aber wird zum Ereignis sondergleichen.
BJARNI THOR KRISTINSSON ist ein fundamentales Gegengewicht zu diesem grazilem Trio. Polternd, vorlaut und derb nimmt er sich als Baron Ochs, was er braucht, ohne groß zu philosophieren. Stimmlich ist er ideal als schwerer Bassbuffo besetzt, so hat er auch mit den Extremen seiner Rolle keine Schwierigkeiten. Der schwer überfordert spielende Faninal von JAN BUCHWALD ist ein wunderbarer Charakter mit prägnantem Bariton, KATRIN WUNDSAM eine quirlige Annina, MARTIN KOCH ein intrigant störender Valzacchi. Auch der Rest des Ensembles ist mit Altbewährten wie jungen (auch Studio-) Sängern bestens aufgestellt.

Nicht enden wollende Ovationen, Bravostürme für die Protagonisten, auch Eingedenk des besonderen Ereignisses, dass Kiri Te Kanawa damit ihr Karriereende beschlossen hat. Eine unvergessen bleibende Aufführung, an der auch der flexibel agierende Dirigent PATRIK RINGBORG und das saftig musizierende Gürzenich-Orchester gewaltigen Anteil hat.
(Der neue Merker, 19.04.2010)

... erwies sich der Kasseler GMD Patrik Ringborg als guter Strauss-Dirigent, der die Feinheiten der Partitur zum Leuchten brachte...
(Das Opernglas, 5.2010)

Der Schwedische Dirigent Patrik Ringborg treibt mit gutem Gefühl die atemberaubende lange Serie von Wiener Walzern vorwärts.
(Opera Nederland, April 2010)

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